Mein Covid 19 Tagebuch - Bericht einer Betroffenen

In diesem Bereich sollen Reilinger/innen zum Thema "Corona" zu Wort kommen.
Es wird in Interviewform aufgezeigt, wie dieses Virus unser tägliches Leben beeinflasst.
Vorschläge für Themem und Interviewpartner/innen sind willkommen!
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charly1607
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Mein Covid 19 Tagebuch - Bericht einer Betroffenen

#1 Beitrag von charly1607 »

Frau Benetti hat uns gestattet, ihr Corana-Tagebuch hier zu veröffentlichen.

Vielleicht hilft es ja der/dem einem oder anderen, sich richtig zu informieren und vielleicht auch Ängste abzubauen.
Mein Covid-19-Tagebuch

Nach meiner Genesung von Covid-19 möchte ich einen kleinen Erfahrungsbericht zu dieser Krankheit abgeben.

Meine Erkrankung begann Mitte März mit Kopf- und Muskelschmerzen, ähnlich einem Muskelkater oder Verspannungen, sowie einem leichten trockenen Husten. Auch am darauffolgenden Tag wurden die Beschwerden nicht besser. Aufgrund der Nachrichten und Informationen habe ich mich durch meinen Hausarzt krankschreiben lassen, um niemanden anzustecken, falls diese „Erkältung“ nicht doch etwas mit diesem Coronavirus zu tun hatte.

Meine Familie und ich haben uns eine freiwillige Quarantäne auferlegt und sämtliche Kontakte vermieden. Die nächsten zwei Tage verbrachte ich im Bett mit starken Kopf- und Gliederschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit. Ich war immer noch überzeugt davon, dass es nur ein grippaler Infekt ist. Zum Wochenende hin, ging es mir schon wieder besser. Leider hatte ich mich zu früh gefreut, denn montags begann erneut mein Husten mit leichten Halsschmerzen und auch die Nase ging zu. Kopfschmerzen wurden zum täglichen Begleiter. Nach einer Woche war ich aufgrund meiner Symptome leider noch nicht in der Lage, wieder arbeiten zu gehen, so dass ich eine weitere Woche krankgeschrieben wurde.

Am darauffolgenden Wochenende bekamen auch mein Mann und meine Tochter Symptome: es begann mit Husten, Niesattacken, Gliederschmerzen und leichtem Fieber. Mein Mann nahm nach dem Wochenende Kontakt mit unserem Hausarzt auf und wurde auch aufgrund meiner Erkrankung sofort zum Test auf Covid-19 vorgeschlagen. Die Zugangsdaten für die Testung kamen kurzfristig vom Gesundheitsamt per E-Mail. Im perfekt organisierten Drive-In-Testzentrum in Schwetzingen wurde der Test durchgeführt. Im 4-Minuten-Takt wurden die Abstriche direkt am Autofenster abgenommen. Der Abstrich ist nicht sehr angenehm, aber man übersteht es.

Schon am nächsten Tag kam der Anruf vom Gesundheitsamt mit dem positiven Testergebnis. In diesem Zusammenhang erhielt die ganze Familie eine amtliche „Anordnung zur Absonderung“ für die kommenden 14 Tage. Im 8-seitigen Dokument werden die Grenzen klar beschrieben: kein persönlicher Kontakt zur Außenwelt, die Wohnung darf nicht verlassen werden. Zudem ist ein tägliches Online-Tagebuch mit Temperatur und Atemfrequenz zu führen.

Frau Benetti zusammen mit Bürgermeister Weisbrod
Frau Benetti zusammen mit Bürgermeister Weisbrod
benetti.jpg (146.16 KiB) 1033 mal betrachtet

Da meine Tochter ebenfalls erkrankt war, wurde auch Sie am darauffolgenden Tag getestet und erhielt ebenso nach einem Tag die Mitteilung des Gesundheitsamtes über das positive Testergebnis.
Aufgrund der beiden Ergebnisse von meinem Mann und meiner Tochter wurde nun auch bei mir noch eine Testung durchgeführt, obwohl man davon ausging, dass sich - im Falle einer Erkrankung - bei mir nach 2 Wochen wohl keine aktiven Viren mehr nachweisen lassen würden. So wurde nach 18 Tagen nach Beginn meiner Symptomatik ebenfalls ein Rachenabstrich genommen. Am Montag darauf kam dann auch mein positives Testergebnis, was uns alle sehr überraschte. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir schon sehr gut, lediglich ein leichter Reizhusten war noch zu verspüren.

Auch meinem Mann und meiner Tochter ging es nach 2-3 Tagen schon wesentlich besser und wir haben die Quarantänezeit dank des schönen Wetters auf der Terrasse verbringen können. Während der Quarantäne wurden wir regelmäßig vom Gesundheitsamt bzw. von der Uniklinik in Heidelberg kontaktiert und sich nach unserem Befinden und den Symptomen erkundigt haben. Bei einer eventuellen Komplikation wie z. B. schwere Atemnot oder Herz-Kreislauf-Beschwerden wären wir sofort in die Klinik eingewiesen worden. Für diese Versorgung möchten wir uns ganz herzlich beim Gesundheitsamt und bei der Uniklinik Heidelberg bedanken, denn das gab ein gutes Gefühl der Sicherheit.

Als einziger in unserer Familie nicht erkrankt war unser Sohn, obwohl es schwierig ist, sich innerhalb der Familie so abzusondern, dass man sich nicht ansteckt.
Die Aufhebung der Quarantäne erfolgte nach ca. 14 Tagen durch das Gesundheitsamt. Nach 48 Stunden ohne Symptome haben wir uns beim Gesundheitsamt gemeldet und wurden daraufhin aus der Quarantäne entlassen. Gemäß RKI sind wir nach Beendigung der Symptome genesen und dürfen uns unter Einhaltung der gängigen Hygiene- und Abstandsregeln wieder bewegen.

Im Nachgang werden wir uns zur Plasmaspende in der Uniklinik zur Verfügung stellen. Mit dem Plasma von genesenen Covid-19-Patienten werden Studien zur Entwicklung von Impfstoffen und Antikörpertherapien durchgeführt, was hoffentlich dazu führt, dass schnellstmöglich ein Impfstoff gegen diese Erkrankung entwickelt werden kann und wir alle bald wieder unser altes Leben zurückbekommen.
Alle Erkrankten in unserer Familie hatten einen leichten Verlauf, da wir auch keinerlei Vorerkrankungen haben. Auch wenn wir jetzt glimpflich davongekommen sind, empfehlen wir jedem dringend, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und größere Menschenmengen wie z. B. beim Einkaufen auf ein Minimum zu reduzieren.

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