Lorenzo Macchiavelli

In diesem Bereich sollen Reilinger/innen zum Thema "Corona" zu Wort kommen.
Es wird in Interviewform aufgezeigt, wie dieses Virus unser tägliches Leben beeinflasst.
Vorschläge für Themem und Interviewpartner/innen sind willkommen!
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charly1607
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Registriert: 24. Mär 2020, 09:20

Lorenzo Macchiavelli

#1 Beitrag von charly1607 »

Lorenzo Macchiavelli ist stellvertretender Bürgermeister der italienischen Partnergemeinde Mezzago und Verantwortlicher für die Städtepartnerschaften mit der französischen Gemeinde Saint-Pierre de Chandieu und mit Reilingen.
Ralf Müller, 2. Vorstand des Vereins Amici Reilingen-Mezzago, führte mit ihm ein Interview zur aktuellen Situation.


Das Corona-Virus hat ganz Europa im Griff. Wie sieht die Lage in Italien,
speziell bei Euch in Mezzago aus?


COVID-19 ist immer noch sehr präsent, insbesondere in Norditalien in den Provinzen Mailand, Monza und Brianza, wo es jeden Tag neue „positive“ Test-Ergebnisse gibt.
Die Situation in Süditalien ist sehr unterschiedlich. Das Virus weniger präsent, vielleicht weil es dort gelang, es besser einzudämmen und da es sich erst später ausbreitete. In Süditalien konnte man von den in Norditalien gewonnenen Erkenntnissen profitieren und die dort ergriffenen Maßnahmen im Voraus umsetzen.
Bisher haben die Restriktionsmaßnahmen zu einer Verlangsamung der Infizierten geführt, aber wir dürfen diesen Vorteil nicht verspielen.
Ja, wir müssen und wollen einen Neubeginn, aber mit allen notwendigen Vorsichtsmaßnahmen.

Wenn Du die Maßnahmen in Deutschland und Italien vergleichst,
gibt es große Unterschiede oder ähneln sie sich?


Soweit ich aus Zeitungen und Fernsehen erfahre, scheinen die Maßnahmen in den beiden Ländern unterschiedlich zu sein. In Deutschland scheint es Menschen zu geben, die sich ohne Maske bewegen. In Italien ist die Verwendung dieses persönlichen Schutzgeräts obligatorisch und muss angewendet werden.


Wie reagieren die Menschen in Mezzago auf diese Maßnahmen? Akzeptieren sie die Einschränkungen?

Die Mezzaghesen verstanden sofort den Ernst der Lage und akzeptierten bereitwillig die von der Regierung und dem Bürgermeister auferlegten Beschränkungen. Aus diesem Grund muss allen Bürgern ein Dank dafür ausgesprochen werden, diesen Beschränkungen die gebührende Bedeutung eingeräumt zu haben und deren Gründe zu verstehen. Ein besonderer Dank geht an alle Kinder, die sich sehr gut verhalten haben und dies weiterhin vorbildlich tun.

Die Corona-Krise ist auch eine Herausforderung an die Solidarität der Menschen untereinander. Wie sieht es mit der Solidarität der Menschen in Mezzago untereinander aus?

In Mezzago herrscht sehr viel Solidarität:

• es gibt ein Angebot für diejenigen einzukaufen, die am stärksten von Ansteckung bedroht sind
• Schutzmasken werden von zwei Unternehmen aus Mezzago gespendet und kostenlos verteilt
• Personen die sich in Schwierigkeiten befinden, erhalten Essens-gutscheine
• es fand eine Sammlung von Decathlon-Schnorchelmasken statt, die als Masken für die Lungenbeatmung wiederverwendet werden sollen
• und die Einrichtung von "Mezzago ChiAma", einem Telefonhördienst für alle Bürger, die Gesellschaft und Nähe benötigen
• willige Leute, die sich darum kümmern, den geschlossenen Friedhof zu säubern, dessen Schließung große Trauer bei Menschen verursacht, die nicht das Grab ihrer Angehörigen besuchen konnten
• von der örtlichen Polizei verwaltete Einrichtungen für Notrufnummern
• die Einrichtung eines Girokontos für die Unterstützung der schwächsten Gruppen und Familien in Schwierigkeiten

Kurz gesagt, viel Solidarität und der Wunsch, unseren Kurs, der auf großer Menschlichkeit basiert, nicht zu verlieren.


Solidarität beschränkt sich in unserer globalen Welt nicht nur auf das persönliche Umfeld. Gerade in der EU gehört Solidarität zu ihrem Selbstverständnis.
Wie empfinden die Menschen in Mezzago die Solidarität der europäischen Partner, speziell der deutschen?


Die EU hat uns zunächst den Rücken gekehrt, indem sie uns die wirtschaftliche Hilfe zur Bewältigung der Krise verweigert hat. Insbesondere in den ersten Krisenmomenten hatte Deutschland sogar den Export von Masken und anderen Sicherheitsvorrichtungen nach Italien, die für die Bewältigung des Notfalls unerlässlich sind, stark eingeschränkt. Vielleicht haben sich die Dinge ein wenig geändert, als sich das Virus in ganz Europa verbreitet hat.
Wir haben noch nie einen solchen Notfall erlebt, daher glaube ich, dass die ersten Reaktionen der verschiedenen Länder zu Beginn sehr unterschiedlich waren. Zu Beginn gab es viel Verwirrung, aber im Laufe der Zeit hat das Bewusstsein allen Ländern die Möglichkeit gegeben, die richtigen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um solidarisch miteinander zu sein.

Das geplante jährliche Partnerschaftstreffen wird voraussichtlich wegen Corona abgesagt werden. Was bedeutet das für die Partnerschaft zwischen Reilingen und Mezzago?


Das geplante jährliche Partnerschaftstreffen wird nicht abgesagt, sondern nur um ein Jahr verschoben. Dies wird sicherlich unsere Beziehungen nicht ändern, sondern es wird uns ermöglichen, die Partnerschaft mit einem anderen Geist zu leben. Wir haben viel mehr Zeit, um etwas Unvergessliches zu organisieren.
Wir müssen den Sieg gegen COVID-19 feiern, wir werden uns bald umarmen und es wird noch bewegender und aufregender.

Welche Wünsche hast du an und für die Reilinger Bürger?

Ich hoffe, dass es allen Bürgern von Reilingen gut geht, und ich möchte ihnen sagen, dass sie nicht aufgeben und weiter gemäß den Beschränkungen kämpfen sollen, um so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren zu können.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Was hat sich für Dich persönlich durch die Corona-Krise verändert? Wie sieht euer Familienleben aus?

Persönlich wurde mein Leben auf den Kopf gestellt, die Herausforderung, Teil der Gemeindeverwaltung zu sein, war an sich schon sehr schwierig, aber mit dem Aufkommen dieser Pandemie sind die Dinge sehr kompliziert geworden. Aber wir sind alle bereit unser Bestes zu geben.
Es ist gut, den Schwächsten unserer Gesellschaft in dieser für uns allen schwierigen Situation helfen zu können.

Mein Familienleben, das bisher schon sehr bunt war, ist es jetzt umso mehr.
Da ich aber das Glück habe, vier Frauen im Haus zu haben, war unser Familienleben sehr harmonisch.
Es tut mir leid, dass ich manchmal nicht viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann.
Aber ich weiß, dass sie versteht, dass die Pflichten für das Gemeinwohl sehr wichtig und zeitintensiv sind.

Abschließend zeigen wir noch diverse Plakat von Veranstaltungen/Initiativen in Mezzago:



Vielen Dank an Ralf Müller für das ausführliche Interview und die Zurverfügungstellung der Grafiken!
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