Tobias Springer

In diesem Bereich sollen Reilinger/innen zum Thema "Corona" zu Wort kommen.
Es wird in Interviewform aufgezeigt, wie dieses Virus unser tägliches Leben beeinflasst.
Vorschläge für Themem und Interviewpartner/innen sind willkommen!
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Ralph_Pfahler
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Registriert: 29. Mär 2020, 12:28

Tobias Springer

#1 Beitrag von Ralph_Pfahler »

Tobias Springer kommt ursprünglich aus dem Schwarzwald.
Er ist seit September 2019 als Kaplan in der katholischen Kirchengemeinde aktiv und wohnt seit dieser Zeit auch in Reilingen.

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Frage: Seit einiger Zeit gelten wegen der Corona-Krise Kontaktbeschränkungen. Wie erleben Sie das Verhalten der Reilinger Bevölkerung?

Tobias Springer:
Ich nehme wahr, dass sich die Menschen hier in Reilingen weitgehend an die Kontaktbeschränkungen halten. Gerade, wenn ich Lebensmittel einkaufe oder auf der Straße unterwegs bin, sehe ich die Menschen immer einen großen Abstand halten. Selbst wenn an sonnigen Tagen viele nach draußen gezogen werden, klappt dies meiner Meinung nach sehr gut. Die bisher niedrige Infektionszahl in Reilingen spricht für sich…


Frage: Nicht nur für das kirchliche Gemeindeleben ist der Begriff Gemeinschaft von zentraler Bedeutung. Wie wird diese Gemeinschaft gelebt? Kann sie es überhaupt?

Tobias Springer:
In der gegenwärtigen Situation ist es natürlich sehr schwierig geworden, unser bisheriges Verständnis von Gemeinschaft zu leben. Weder in der kirchlichen oder politischen Gemeinde, noch in den Familien ist viel davon übrig geblieben. Doch ich finde, dass Gemeinschaft vor allem anders geworden ist und nicht unmöglich! Statt eines Besuches ist jetzt vielleicht das Telefonat oder der Videoanruf in den Vordergrund gerückt. Ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass das nicht zwingend eine schlechtere Qualität sein muss. Meine Emails, Telefonate und Co sind in diesen Tagen länger und vor allem häufiger geworden. Auch sind mir wieder Personen eingefallen, mit denen ich schon seit einiger Zeit mal wieder telefonieren wollte – diese Gelegenheiten nutze ich momentan sehr gerne. Es ist in der Corona-Krise also eher mehr Gemeinschaft und Solidarität möglich geworden, weil viele Menschen einfach mehr Zeit haben.
Seit des Verbotes öffentlich Gottesdienste zu feiern, tue ich dies beispielsweise stellvertretend für die Menschen bei mir in der Wohnung – auch so bleibt das Band der Gottesdienstgemeinschaft bestehen. Und auch sehr viele andere Priester feiern weiterhin Eucharistiefeiern ohne Öffentlichkeit. Denn das Gebet mit und für die Menschen, haben wir bei unserer Weihe versprochen. Das gilt auch in diesen Tagen und ist auch nicht bloß für die Priester oder die Hauptamtlichen wichtig, sondern alle Gläubige können und sollen im Gebet stehen. Das kann uns in dieser Zeit vielleicht wieder stärker ins Bewusstsein rücken.


Frage: Wir befinden uns in der Karwoche, die Woche vor den höchsten christlichen Fest: Ostern. Wie können sich die Reilinger auf das Osterfest vorbereiten?

Tobias Springer:
Es ist wahrscheinlich selbst für die ganz alten Menschen das erste Mal in ihrem Leben, dass keine öffentlichen Kar- und Ostergottesdienste stattfinden. Eine in der Tat außergewöhnliche Zeit, die hoffentlich auch einmalig bleiben wird. Dennoch ist mir wichtig zu sagen, dass deswegen in diesem Jahr nicht „weniger“ Ostern sein wird. Gerade deshalb ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, dass sich die Menschen bewusst auf die Feiertage einstimmen und einlassen. Sicher kann daheim ein Platz gefunden werden, an dem eine Art „Gebetsecke“ eingerichtet werden kann: Ein Kreuz, ein Palmzweig, eine Osterkerze, o.ä. Einfach um einen Ort zu haben, der immer wieder an diese Festtage erinnert und zum Gebet oder Innehalten einlädt. Auch die Feier von Hausgottesdiensten kann dabei eine wichtige Form sein , dass Ostern bewusst erwartet und gefeiert werden kann. Dazu sind auch auf der Homepage der Seelsorgeeinheit Hockenheim verschieden Impulse und Vorlagen zu finden – und auch im Fernsehen und Internet sind zahllose Gottesdienste und Impulse zu finden und mitzufeiern.


Frage: Das Osterfest selbst, wie lässt sich diese Fest unter den gegebenen Bedingungen angemessen feiern?

Tobias Springer:
Ostern selbst kann durch die Mitfeier von Fernsehgottesdiensten und Ritualen gefeiert werden. In der St. Wendelin Kirche in Reilingen werden Osterkerzen zum Mitnehmen bereitstehen. So ist es gut möglich zu Hause einen Wortgottesdienst zu feiern. Dieses Osterfest wird natürlich anders sein als bisher, aber vielleicht kann es für so machen auch besonders intensiv werden? Ich selbst bin darauf gespannt, was die Menschen für Erfahrungen machen. Wichtig ist nur, dass Ostern auch dieses Jahr von ihnen gefeiert wird und nicht im Alltag untergeht – das hat aber jeder selbst in der Hand.


Frage: Welchen Wunsch haben Sie für unseren Ort?

Tobias Springer:
Ich wünsche mir für Reilingen, dass wir weiterhin verantwortungsbewusst und solidarisch miteinander umgehen. Und das auch nicht das Gefühl der Furcht oder Ohnmacht über die Menschen kommt – denn Gott sagt uns in der Bibel immer wieder :“Fürchtet euch nicht!“ - Trotz dem Ernst der Lage sollten wir dies nicht vergessen. Ich bin mir sicher, dass nach dieser Krise das Leben wieder regelrecht explodieren wird und bestimmt auch so mancher wiedergefundener Wert in den Alltag "rübergerettet“ werden kann.


Eine persönliche Frage zum Schluss: Was meinen, wie hat sich Ihr Glaube durch die Corona-Krise weiterentwickelt? Was wurde Ihnen wichtiger, was unwichtiger?

Tobias Springer:
Bestimmt wird sich auch im gelebten Glauben etwas verändern. Vielleicht ein tieferes Bewusstsein der Mitverantwortung in der Gemeinde und Kirche? Vielleicht auch die Chance, dass wir uns wieder auf wesentliche Fragen und Dienste besinnen? So abgedroschen es auch klingt: ich glaube auch diese Krise wird uns stärker machen und wachsen lassen. Dabei dürfen wir auch jene Menschen nicht aus unserem Blick verlieren, die durch diese Corona-Krise großen seelischen, persönlichen oder wirtschaftlichen Schaden erlitten haben – auch hier werden wir in Zukunft als Christen mehr Verantwortung übernehmen müssen. Die Menschen werden bestimmt wieder mehr zusammenrücken und über den eigenen Tellerrand hinausblicken…
Ich selbst freue mich schon riesig darauf, wieder unmittelbar mit den Menschen Gottesdienste feiern zu dürfen und in direkten Kontakt zu treten. Bis dahin bleiben wir im Gebet füreinander verbunden.

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